Folge 1 – Markus Schleinzer

Shownotes

Der gebürtige Wiener hat sein Filmhandwerk während seiner Zeit als Casting-Direktor erlernt, neben einer ganzen Reihe an Filmen auch für Michael Hanekes Historiendrama „Das Weiße Band“. Gerade zeigt der Autodidakt seine dritte Arbeit als Regisseur und Drehbuchautor. »Rose« mit Sandra Hüller in einer Männerrolle sammelt beim Publikum reihenweise positive Bewertungen ein. Beim Filmemachen lässt sich Schleinzer Zeit. Sein Spielfilmdebüt »Michael« gab er 2011 im Wettbewerb von Cannes, sieben Jahre später folgte »Angelo« beim Filmfestival in Toronto. Zwischendurch steht Markus Schleinzer vor der Kamera, zuletzt in »Sisi & ich« und »Vier Minus drei«. Auch dieses Handwerk hat er sich selbst beigebracht. Bei Castings hat er stets mitgespielt. In dieser Folge erzählt er, wie er seine Stoffe loslässt, weshalb er sich nichts aus Filmpreisen macht und warum er seine Filme nie wieder anschaut.

Transkript anzeigen

00:00:08:

00:00:34: Ich lasse

00:00:42: meine Stoffe los, indem ich mich sofort in die nächste Arbeit stürze.

00:00:46: Und indem ich sofort die nächsten Ideen sammle und vorbereite... damit der Abschied leichter fällt.

00:00:56: Ich glaube, das ist mein Zugang an die Arbeit.

00:00:59: und das Interessante mit den Stoffen und mit den Themen ist, dass sie sich ja mit jedem Arbeitsabschnitt verändern.

00:01:04: Du schreibst, du bist ewig lange alleine dann hast du eigentlich den Mut jemandem zu konfrontieren Leute reinzulassen das abzuklopfen irgendwann mal beginnen in die Vorbereitungsarbeit wenn das Geld gefunden ist.

00:01:15: der Dreh, die Postproduktion, die Vermarktung Das hat ja alles unterschiedliche Qualitäten.

00:01:22: Deswegen verändern sich die Stoffe auch in all diesen Abschnitten.

00:01:25: Aber ja, ich bin ein Rokohollik!

00:01:27: Meine Stoffer und meine Themen werde ich los indem ich mich sofort in das nächste Abenteuer stürze.

00:01:31: Und Sie verfolgen dich nicht weiter?

00:01:33: Weil es sind schon oft sehr traurige Stoffen.

00:01:37: Nein sie verfolgt mich nicht weil vielleicht machen wir immer den gleichen Film... Vielleicht kämpfen wir immer gegen die ähnlichen oder gleichen Themenstellungen an aktuellen Zeiten der Beleben Und sie sind immer ein Teil von mir.

00:01:53: Aber was ich nie mache, ist sich schauen wir die Filme nie wieder an.

00:01:56: Das heißt wenn sie gemacht sind und wenn ich die Phase der Vermarktung durchlaufen habe wo man ab und nach natürlich noch eine Publikum sehr gerne den Film teilt... Ich hab meinen ersten Film nie wieder angeschaut, mein zweiten Film.

00:02:07: Ich werde auch den aktuellen Film wahrscheinlich nie wieder sehen!

00:02:10: Du bist ja schon sehr früh oben angekommen.

00:02:13: Hast du manchmal das Gefühl es ging alles viel zu schnell?

00:02:18: Ich weiß nicht was oben ist.

00:02:21: Ich habe keinen Karriereplan, ich habe keine regale Freie geräumt wo irgendwelche Statuen stehen sollen in Zukunft oder irgendwelchen Urkunden hängen an irgendwelchem Wänden.

00:02:35: Ich denke über das Oben nach... Ich glaube Filmmacher, Treberautor, Regisseur man muss ein bisschen ein Masochist sein weil das was man erreichen will zumindest funktioniert so.

00:02:45: ich sehe immer nur dass scheitern und ich sehe nicht das was gelungen ist.

00:02:49: Das heißt, sich vielleicht die alten Filme wieder anzuschauen würde auch bedeuten.

00:02:52: Immer nur zu sehen was einem nicht gelungen ist.

00:02:55: Mich tut mir schwer mit dem

00:02:56: Oben.

00:02:57: Das heißt du fühlst dich gar nicht oben

00:02:58: angekommen?

00:02:59: Nein!

00:02:59: Was soll man denn oben?

00:03:02: Nein, das war schrecklich.

00:03:04: Mein Vater war so eine Sportskanone und wir mussten als kleine Kinder immer schon um vierhundert früh aufstehen damit man zum Mittag schon auf dem Berg ist.

00:03:13: Kinder können damit nichts anfangen.

00:03:15: Das heißt aus Kindeschauen war mit der Abstieg dann immer das Liebste weil ich das Gefühl hatte da unten ist dann wieder die Welt mit der Ich was anfangen kann.

00:03:24: Mit dem Oben habe ich nie etwas beginnen können.

00:03:27: Was ist mit vielen fünfzig besser als mit sechsundzwanzig?

00:03:30: Ich weiß gar nicht, was mit sechs und zwanzig

00:03:35: war.

00:03:37: Als Schauspieler.

00:03:39: Vielleicht hatte ich mehr Mut weil ich mehr Naivität hatte und heute muss ich mehr daran arbeiten diesen Mut mir wieder zu erwirtschaften.

00:03:52: Das heißt nicht, dass das Leben schwerer geworden ist aber ich glaube mir nicht so schnell, so leicht wie ich mit Dingen wie Zixundzwanzig gegraubt habe.

00:04:04: Sag mal, wie viel gibst du denn in deinem Film von dir selbst preis eigentlich?

00:04:12: Das ist eine schwierige Frage für jemanden, der einen Film gemachte über einem Pädophilienmann.

00:04:16: Über einen Schwarzafrikaner, der am Alter von fünf Jahren führt wird und um meine Frau die quasi die gleichen Vorrechte haben möchte wie Männer in ihrer Zeit oder wie in jederzeit weil weder bin ich das eine noch das andere noch das dritte.

00:04:28: aber natürlich sind diese Figuren alle Teilaspekte meiner Sicht auf die Welt meinem Leid oder meine Freude mit der Welt Somit auch von mir selbst.

00:04:40: Und das sind, ich sage immer meine Figuren wohnen immer hinter meinem Herzen.

00:04:45: Das ist natürlich sehr poetisch.

00:04:49: Wo ist sie so ab?

00:04:49: der einzige mögliche Umgang mit der Welt finde ich?

00:04:56: Wenn du mal beim Drehbuch schreiben feststeckst wie gehst du mit dieser Blockade um?

00:05:00: was machst du dagegen?

00:05:03: Ich habe das Gefühl, ich kenne nur Blockaden und Festständen.

00:05:06: Aber ich bin ein schrecklicher Mensch weil wie gesagt, ich bin nicht so leicht zu beeindrucken Und ich glaube nicht von Anfang an nie An den ersten Gedanken.

00:05:16: Es kann sein dass der dann gut ist und es dir auch wird aber Ich schreib sehr lange und ich gehe sehr lange mit meinen Stoffen herum und ich mache auch nicht Dinge parallel bewege mich dann ausschließlich in diesem Kontext und ich glaube sehr an die Recherche.

00:05:34: Ich bin ein Recherchen-Chunky, und ich glaub sehr an das Gespräch und sehr an der Dialektik.

00:05:39: also ich will kein schreibtisch Täter sein auch wenn das Schreiben mit unternommen schreibt ist wirklich gut funktioniert.

00:05:45: aber ich setze mich sehr stark aus und treffe Leute und suche eben Expertinnen und spreche sehr viel und versuche quasi So etwas wie einen Beweis zu finden, für das Einzige was es zu erschaffen gilt Logik.

00:06:02: Das ist immer die oberste Maxime in allem schreiben.

00:06:04: wenn das was du schreibst wenn dass was du erzählen möchtest keine Logik hat den man da draußen mit allen teilen kann dann funktioniert's gar nicht.

00:06:12: ich glaube das auch der Grund warum Genrefilme ja funktionieren denn es gibt kein Alien da oben zumindest kenne ichs nicht.

00:06:19: Und trotzdem gibt es Schauspielerinnen, die da vor diesem Wesen davon laufen können.

00:06:24: Weil sie über Lebenskampf spielen und nicht alien.

00:06:27: Also wo sind die essentiellen Dinge?

00:06:29: Wo ist die Logik in allem?

00:06:31: Und an der Logik?

00:06:32: sich voran handeln hin zur nächsten Logik... Das ist wie ich versuche meine Blockaden wenn ich sie habe und ich hab sie wahnsinnig oft zu lösen.

00:06:41: Was würdest du gerne öfter tun?

00:06:44: Aber traust

00:06:45: dich nicht.

00:06:45: Wenn ich jetzt mit der WordPress beginnen würde, müsste ich die nächsten fünfzehn Jahre mal Urlaub machen

00:06:53: und leben.

00:06:54: Was ist da die Angst?

00:06:55: Dass du keinen Urlaub

00:06:56: machst?

00:06:57: Die Angst ist dass man nicht mehr genug Zeit hat.

00:06:58: Ich habe Bibliotheken geerbt von allen Menschen, die in meiner Familie ansässig waren Und das Gefühl, ich hab gar nicht mehr genügend Zeit all diese Bücher zu lesen Mit denen ich gemeinsam in dieser Wohnung lebe.

00:07:14: Deswegen glaube ich ist die Arbeit so essentiell für mich.

00:07:17: Manchmal ist es so, dass man sich denkt, oh, die anderen machen gerade Picknick oder gehen gerade schwimmen... Oh verdammt!

00:07:23: Ich habe die Taufe von diesem Kind vergessen.

00:07:26: Oder manchmal kommt das Alltägliche zu

00:07:29: kurz.

00:07:31: Die nächste Frage können wir eigentlich im Grunde genommen durchfahren, weil sie wieder gewesen war.

00:07:35: Wann du mal das Gefühl hattest in deiner Karriere ganz unten zu sein?

00:07:38: Jetzt habe ich irgendwie verstanden Deine Karrieren

00:07:40: ist ein einziges Hunden

00:07:41: oder ganz doch ein Highlight von den ganzen Unten.

00:07:47: Ich hab jedes Mal wenn der letzte Drehtag vorbei ist und die letzte Klappe geschlagen ist Das Gefühl ich bin Ganz unten angekommen Und ich habe den größten Dreck gemacht dem was ich noch vorstellen kann.

00:07:57: aber ich habe vor ein paar Jahren in New York Eliza Hitman getroffen, nachdem sie quasi auch gerade ihren letzten Drehtag absolviert hat und sie war am Boden zerstört.

00:08:07: Und auch gesagt das ist der größte Mist und der Film ist aber dann so wunderschön geworden.

00:08:12: ich glaube das haben wir alle die Angst davor oder die Sorge dass das was man erzählen möchte dass man sich überhoben hat, dass man es nicht richtig gemacht hat.

00:08:23: Das ist ja das Schrecklich-Schöne am Film im Gegensatz zum Theater.

00:08:26: du kannst eine Scheißvorstellung gespielt haben und weißt du hast noch seventy Vorstellungen vor dir.

00:08:32: ein Drehtag ist vorbei.

00:08:34: ich habe ein paar mal in meinem Leben bereits privates Geld in die Hand genommen um einzelne Drehtage einfach beinahe zu wiederholen.

00:08:41: aber du kannst nicht an den ganzen Filmen wiederholern und damit hartert glaube ich ein jeder von uns ab

00:08:46: und an Welche Etage fehlt denn noch?

00:08:50: Ich denke mal, du hast keinen Masterplan für die nächsten fünf Jahre.

00:08:53: Aber wenn wir jetzt mal ins Träumen kommen, wo würdest du gerne in fünf Jahren sein?

00:09:00: In fünf Jahren wäre ich, glaube ich, gerne ein Glasener... ...in fünf Jahren wär ich, glaub ich, gern ein glücklicherer Mensch mit mir selbst.

00:09:06: In fünf jahren hätte ich ganz gerne mal auch gelernt, Dinge anzunehmen, Erfolg anzonehmen Wenn er sich in äußeren Zahlen ablesbar macht, der dann nicht auch manchmal misstraue.

00:09:17: Und in fünf Jahren glaube ich, hätte ich gerne auch mal einen Rum angeschrieben.

00:09:21: Gibt's da schon Pläne?

00:09:22: Ja!

00:09:23: Es gibt schon ganz viele Textzeiten dazu... Ich bin nur so ein seltsamer Mensch und muss es nicht teilen.

00:09:32: Ich habe nicht so den Drang Dinge zu produzieren damit dann ganz viele Leute das dann lesen weil es beim Soekambo der Roewold Verlagerschienen ist sondern ich mache das einfach für mich und hab dann was gelernt und was verstanden.

00:09:43: vielleicht muss ich auch das lernen.

00:09:45: Freie Gibi kann das

00:09:46: sein Sehr schön Wenn deine Karriere jetzt doch nicht funktioniert hätte.

00:09:52: oder sind ja Karrierinnen, macht sehr vieler Rollen.

00:09:56: Was würdest du stattdessen heute tun?

00:10:06: Vielleicht würde ich in die Kommunalpolitik gehen weil ich das Gefühl habe dass manchmal das Medium in dem wir uns bewegen so ein langatmiges ist

00:10:17: und ich

00:10:19: zur gleichen Zeit aber auch das Gefühl haben dass man aktuell ganz viel so ganz schnell verändern müsste dazu neigt, diese Diskussion alltäglich in Gang zu setzen und im Gang zu halten oder von dem Punkt zu kommen.

00:10:33: Du kannst ja auch nicht kontrollieren wie du damit erreichst?

00:10:35: Das kann man in der Politik mitunter auch nicht.

00:10:37: aber das ist vielleicht so ein Gedanke dass man sagt man hilft mal wirklich aktiv etwas aufzubauen indem dann reale Menschen leben können und nicht irgendwelche poetischen fiktiven Filmfiguren ihr Dasein fristen für die Dauer Jeden, den man sich auf der Lernwand betrachten kann.

00:10:57: Kennst du das schon bei

00:10:57: der letzten

00:10:58: Frage?

00:10:59: Du stehst im Aufzug wie auch jetzt schon.

00:11:02: die Tür geht auf.

00:11:03: Da musst du dir jetzt vorstellen und Julia Windesbauer kommt zur Tür rein.

00:11:07: Was wäre da eine erste Frage

00:11:11: an Julia?

00:11:13: Meine erste Frage in Julia wäre ob sie das Gefühl hat und glaubt dass das was sie tut ihre künstlerische Arbeit unmittelbar Auswirkungen hat, ob sie es schaffen

00:11:22: können Auswirkung hat auf was?

00:11:26: Auf das Leben der Mitmenschen, die wir in der Dialektik in unserem Publikum ja auch immer erreichen wollen und erreichen müssen.

00:11:34: Sonst ist es uns sonst das, was wir hier tun.

00:11:36: Wieso hast du dir ausgänglich diese Frage überlegt?

00:11:38: Weil mich das beschäftigt eben auch, was ich vorhin gesagt habe mit der Politik, weil mich das aktuell sehr beschäftigt wie sehr Kunst und Kunst schaffen uns überhaupt aktuell bereichern kann oder die Aufgabenstellungen, die mitunter sehr schwierig sind.

00:11:53: Der Gegenwart in der wir uns befinden helfen können diese zu lösen oder diese zu verändern und diese zu gestalten?

00:12:00: Markus, wir sind angekommen!

00:12:02: Ich bedanke mich ganz recht herzlich für dieses schöne Gespräch dieser doch sehr intimen Atmosphäre und trotz der zum Teil sehr nachdenklich stimmenden Themen habe ich es... sehr genossen mit dir im Fahrstuhl zu fahren.

00:12:16: Ich

00:12:16: auch, ich bin ja eigentlich ein Zufußgeher und ich vermeide ja eigentlich Aufzüge aber

00:12:20: gerne wieder.

00:12:21: Bisschen krausophobisch.

00:12:23: Vielen

00:12:23: Dank!

00:12:23: Krassophosch bin ich nicht, aber motorisch.

00:12:27: Ich danke euch.

00:12:29: Bis zum nächsten

00:12:30: Mal.

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